von Peter Michael Bak

 "Whenever you find yourself on the side of the majority, it is time to pause and reflect." Mark Twain

Im Jahr 2014 dachte der deutsche Wirtschaftsminister laut darüber nach, ob es nicht besser sei, statt Latein und Griechisch, Informatik an Schulen anzubieten.  Mit Letzterem lässt sich wenigstens Geld verdienen. Im gleichen Jahr erfährt man von den Plänen der saarländischen Landesregierung, wonach die einzige Universität des hochverschuldeten Landes so drastische Sparmaßnahmen einleiten muss, dass bestimmte Fächer, z. B. Physik 30% einsparen müssen, andere Fächer wie etwa Italianistik oder Slawistik sogar völlig entfallen.                                                                                            

Auch die Sparwelle an deutschen Theater- und Opernhäusern geht unvermindert weiter,  das Ensemble des Theaters in Trier steht vor der faktischen Auflösung. Drei Beispiele aus ganz unterschiedlichen Bereichen, die dennoch eine Gemeinsamkeit aufweisen: In einem der reichsten Länder der Welt, das weder Bodenschätze noch andere materiell zu veräußernde Vorteile besitzt und das sich gerne als Dienstleistungsgesellschaft mit dem Fokus auf Innovationen verstehen möchte, gibt es eine einzige Frage bei der Beurteilung von Ideen, Arbeit, Kultur oder welch anderen Bereich auch immer wir betrachten: Gibt es eine ausreichend große Zielgruppe, die dafür sorgt, dass sich aus der erbrachten Leistung ein unmittelbarer finanzieller Vorteil ableiten lässt? Kurz, ich spreche von einer völligen Ökonomisierung unserer gesamten Alltagswelt, eine Entwicklung, die sich, so die These dieses Beitrags, in den letzten Jahren sogar noch verschärft hat.                     

Und das nicht nur in Deutschland, sondern in allen hochentwickelten Industrienationen.  Die dazugehörigen Begriffe lauten Globalisierung und Standardisierung, zwei sich gegenseitig bedingende Prozesse, die in allen Lebensbereichen Fuß gefasst haben.  In der Wirtschaft, der Bildung und der Kultur. Mit weitreichenden Folgen, wie ich im nun Folgenden ausführen möchte.

Woran erkennen wir, dass wir im Ausland sind? In erster Linie an der Sprache, dann an    den Symbolen und Zeichen, die uns überall begegnen, vielleicht am Aussehen der Menschen, häufig am Wetter, an den Häusern und an den Produkten, die wir in den Geschäften finden können und auch an den Geschäften selbst. Es sind die Unterschiede    zu unserer gewohnten Umgebung, die uns ins Auge springen.  Lässt man die vergangenen Jahre im Geiste einmal Revue passieren, so fällt auf, dass viele dieser Unterschiede zunehmend geringer geworden sind. Insbesondere was Produkte, Geschäfte und die Inneneinrichtung vieler Häuser anbelangt. Mittlerweile finden wir die gleichen Geschäfte in jeder größeren Stadt, von amerikanischen Schnellimbissketten (McDonalds, Burger King) über spanische (Zara) oder schwedische Modegeschäfte (H & M) bis zu schwedischen Einrichtungshäusern (IKEA). Und was wir da gekauft haben, das teilen wir unseren Freunden über Facebook mit oder schicken ihnen eine Nachricht über Whatsapp, das wir auf unserem Smartphone von Apple oder Samsung installiert haben.    

Wir tun alle das Gleiche. Und das ist eine unmittelbare Folge des gemeinsamen Marktes, den wir beispielsweise in der Europäischen Union haben. Agierten früher viele Unternehmen in erster Linie auf nationalen Märkten, können wir heute feststellen, dass wenige internationale Unternehmen auf internationalem Parkett spielen. Egal welche Branche wir uns dazu anschauen, größere Märkte führen zu Konzentrationsbewegungen wie etwa in der Stahlbranche. Aber auch in Konsumgütermärkten lassen sich solche Bewegungen feststellen, etwa im Uhrenmarkt, der von wenigen Konzernen dominiert wird1. Oder im Lebensmittelbereich, in dem wir längst einer Wahlillusion aufsitzen, denn hier sind es wenige große Unternehmen wie z. B. Nestle, Proctor & Gamble, Mondelez oder Unilever, denen die Mehrheit der Markenprodukte gehören2. Völlig illusionslos dagegen die Situation im Markt der Online-Suchmaschinen, auf dem wir mit Google ein faktisches Monopol haben.

Aus wirtschaftlichen Überlegungen machen diese Konzentrationsbewegungen häufig durchaus Sinn. Kleine Unternehmen werden von größeren aufgekauft bis am Ende im besten Fall ein Äquilibrium einer handvoll Unternehmen übrigbleibt, die mehr oder weniger gleichstark sind, im ungünstigsten Fall, wie bei Google, bleibt sogar nur ein Unternehmen übrig. Für die Unternehmen lohnt sich das auf jeden Fall. Sie können Produkte vereinheitlichen und damit Produktionsprozesse und Vermarktungsprozesse verschlanken, d.h. am Ende sparen und mehr Rendite erwirtschaften. Anstatt also in jedem Land ein länderspezifisch angepasstes Produkt zu verkaufen wird überall das gleiche Produkt verkauft. Je mehr Menschen die gleichen Bedürfnisse haben und die gleichen Produkte verwenden möchten, umso besser.                                                                                        

Die einzige Herausforderung besteht jetzt noch darin, die Konsumwünsche ebenfalls zu homogenisieren. Denn, jeder Kunde, der individuelle Bedürfnisse hat, ist ein teurer Kunde. Und so wie es aussieht, ist die Homogenisierung der Kundenwünsche in den letzten Jahren ständig gestiegen. Heute haben wir konforme Märkte für konforme Konsumenten. Das war nicht immer so. Es gab die Zeit, in der es einen großen Unterschied machte,  ob ich in Berlin, Stockholm, Madrid oder Rom durch die Innenstädte ging und die Verschiedenartigkeit von Menschen beobachten konnte.

Und heute? Überall entdecke ich das Gleiche, ja selbst die Globalisierungsgegner sehen sich mit ihren Rasterlocken, Gitarren und alternativen Kleidern überall zum Verwechseln ähnlich! Darüber zu reflektieren, könnte lohnenswert sein.

>Homogenisierungsbewegungen, wie eben beschrieben, lassen sich überall beobachten. Schauen wir uns die Medienlandschaft an. Medien sind ein bedeutsamer Teil unseres Kulturbetriebs und, egal ob Verlage, TV-Sender oder Internetseiten, sie alle benötigen Geld für Betrieb, Produktion und Abwicklung. Wie viel Geld verdient wird, das hängt in erster Linie davon ab, wie viele Nutzer eine Zeitung, ein TV-Sender oder eine Internetseite aufweisen kann. Je mehr Nutzer, desto mehr Geld. Denn viele Nutzer bedeuten immer auch,  mehr Einnahmen, beispielsweise durch direkten Verkauf oder indirekt durch Werbung, mit der sich viele Medien überhaupt erst finanzieren können. Wer also viel Geld verdienen möchte, der setzt zwangsläufig auf massentaugliche Inhalte.  Dementsprechend fällt das Angebot aus. Die Sender orientieren sich am Massengeschmack und an der Einschaltquote, das Kino setzt auf Großproduktionen, im Radio dudelt der Einheitsbrei. Und auch in anderen Bereichen des öffentlichen Kulturlebens, oder sollte man besser Kulturbusiness sagen, geht es in erster Linie um Quantität bzw. Vermarktungspotenzial. Theaterprogramme, zumal wenn die Theater nicht in den Metropolen stehen, wiederholen zum x-ten Mal Gleiches, ganz oben die „Zauberflöte“ und „Kabale und Liebe“. Wirklich Neues, Überraschendes, Irritierendes, Gewagtes besitzt Seltenheitswert. Viel zu gefährlich, insbesondere dann, wenn die Theater sowieso schon unter Sparzwang stehen! Wie sich doch alles ändern kann. Es gab Zeiten, da war eine Inszenierung Stadtgespräch oder sorgte für einen handfesten Skandal. Heute dagegen    wirkt selbst ein Skandal als bloßes Ergebnis einer ausgeklügelten PR-Strategie.  Man kämpft eben mit anderen Entertainment-Betrieben um die gleiche Kundschaft.  Und davon haben dann vor allem Großproduktionen, denken wir hier auch an Musicals wie „Holiday on Ice“ oder „Cats“ gleich die überwiegende Mehrheit.                                          

Die Strategie scheint hier dann zu sein, nicht durch ein Alternativprogramm zu punkten, sondern sich durch ähnliche Produktionen ein gehöriges Stück vom Kundenkuchen abzuschneiden. Eine Entwicklung, die auch vor Museen und Galerien nicht halt macht. Auch sie setzen auf das Bewährte, das, was von den meisten Besuchern dann bitteschön auch als Kunst erkannt bzw. anerkannt wird.                                                                        

Und wie sieht es in der Musikbranche aus? Vermutlich noch schlimmer, da selbst die  großen Musikverlage durch die veränderten Kauf- und Konsumgewohnheiten mittlerweile  mit finanziellen Problemen zu kämpfen haben. Da geht man lieber auf Nummer sicher und engagiert sich vor allem für solche Produktionen, die sich von vornherein als ertragreich anbieten. Alles andere ist zu riskant. Noch besser, man veranstaltet öffentliche Castingshows im Fernsehen, die zum einen die Kosten der Talentsuche optimieren helfen und zum anderen am Ende einen sicherlich massentauglichen Sieger hervorbringen. Dass nach einem oder maximal zwei Hits dann ein neuer Sieger ran muss, das liegt in der Natur der Sache. Am musikalischen Ergebnis ändert das übrigens nicht mehr viel, ohnehin sind die Kompositionen so gewählt, dass sie niemandem weh und möglichst einem breiten Publikum gefallen. Vom Vorjahreshit sind sie dann auch nicht wirklich zu unterscheiden. So schnell ändert sich der Massengeschmack dann auch nicht.                 

Das war nicht immer so. Es gab die Zeit, in der Musiker, Theaterregisseure, Maler regelrechte Rebellen waren. Natürlich, es gibt ein Strukturproblem bei der Betrachtung künstlerischer Arbeit und es war schon immer die Tragik einer Avantgarde, dass sie entweder niemand beachtet oder dass sie ihren Titel spätestens dann verlor, wenn die Massentauglichkeit erworben war. Aber immerhin gab es sie noch, die Avantgarde, die aneckte, nicht verstanden wurde, einen Unterschied gebahr zu dem, was vorher war.

Und heute? Überall entdecke ich das Gleiche, ja selbst „Skandalproduzenten“ setzten auf bewährte Rezepte: Sex and Crime. Sie sind sich überall zum Verwechseln ähnlich! Darüber zu reflektieren, könnte lohnenswert sein.  

 

Es ist eigentlich paradox. Wenn wir heute über Bildung sprechen, dann sprechen wir gar nicht über Bildung, sondern eher über so etwas wie die Herstellung von „Beschäftigungsfähigkeit“. Es geht nicht um Wissen, Erkenntnis oder die Befähigung  zum konvergenten wie divergenten Denken, es geht darum, dass sich die Kosten,  die wir in die Bildung unseres Nachwuchses stecken, später auch rechnen.  Das bedeutet, wir bilden junge Menschen exakt für die Anforderungen bestimmter Stellenbeschreibungen aus. Der Deckel muss eben zum Topf passen, andernfalls ist es Ausschussware.                       

An welcher Stelle braucht man denn dann Arbeitnehmer, die Goethe von Schiller zu unterscheiden wissen oder die sich für die Leib-Seele-Debatte interessieren oder die sich darüber Gedanken machen, was Wissen überhaupt sein könnte? Das ist doch alles nutzloses Zeug. Was kann man sich schon von Allgemeinwissen kaufen?

Spätestens mit der Bologna-Reform wurde dann ja auch Schluss gemacht mit diesen ganzen Fragen. Das Studium ist kein Studium mehr, schon gar kein Selbst-Studium mehr,  es ist vielmehr eine Faktenvermittlungsstelle, bei der die Welt, je nach Ausbildungsziel so erklärt wird, dass beim Berufseintritt möglichst wenige Fragen offen bleiben. Und wenn das dann doch der Fall sein sollte, dann bekommt man zu hören, dass die Ausbildung nicht anwendungsorientiert und praxistauglich genug war. Raum für die eigenverantwortliche Ausgestaltung individueller Lern- und Lebenserfahrungen bleibt da kaum noch und selbst der Hochschulwechsel bringt nichts mehr. Mit Bildung hat das nichts mehr zu tun. Was ist eigentlich der Gegenbegriff dazu?

Da sich auch der Hochschulmarkt mittlerweile an den Gesetzmäßigkeiten von Angebot  und Nachfrage orientiert, also ökonomisiert wurde, findet man an vielen Stellen nicht nur ähnliche Curricula, sondern vor allem Lehrinhalte und Vermittlungsweisen, die sich an den Erfordernissen des Marktes und den Kundenwünschen orientieren und nicht an den fachimmanenten Notwendigkeiten. Am Ende sind dann für die Hochschulwahl die erwartete Abschlussnote, die Einfachheit, mit der ein Abschluss erreicht werden kann oder wie viel Service die Hochschule insgesamt anbietet bedeutsamer als die Hochschullehrer oder deren vorgetragenen Inhalte.                                                                                                

Und die Hochschullehrer andererseits sind dazu verdammt, ihre Studierenden auch noch bei Laune halten zu müssen. Es ist eben viel einfacher, einen Kunden zu behalten, als einen Kunden zu verlieren und ihn durch einen neuen zu ersetzen.                           

Außerdem ist es ein ausgemachtes Qualitätssiegel einer Hochschule, wenn möglichst wenige das Studium abbrechen und am Ende auch noch ganz gut dabei abschneiden.  Was das für Konsequenzen hat, das kann sich jeder denken. Das war nicht immer so.   Es gab die Zeit, da spielte der Dozent und seine Expertise noch die entscheidende Rolle. Und heute? Überall entdecke ich das Gleiche, es geht vor allem ums Verkaufen und Konsumieren dessen, was wir als Bildung bezeichnen. Die Kriterien dafür sind freilich ökonomischer Art.                                                                                                                

Lust auf Neues und Zweifel an Bestehendem“3, zwei Eigenschaften, die man als etwas Grundlegendes für die Bildung bezeichnen könnte, findet man dagegen nicht.

Beschäftigungsfähigkeit mag man damit herstellen können, Bildung als eine Metakompetenz, sich auf Veränderungen einzulassen und dabei Neues zu entdecken, die wird dadurch nicht erreicht4. Darüber zu reflektieren, könnte lohnenswert sein.  

 

Differenzierung geht nur über Widerstand

Fassen wir bis hierhin zusammen. In allen Lebensbereichen lassen sich in den letzten Jahren vermehrt Standardisierungsprozesse beobachten. Produkte und Konsumgewohnheiten gleichen sich immer mehr an, Kultur- und Bildungsangebote ebenfalls. Als treibende Kraft hinter diesen Homogenisierungsprozessen kann die Ökonomisierung unserer gesamten Lebenswelt angesehen werden.                        

Unterschiede kosten eben mehr als Standards. Sicherlich einen erheblichen Teil dazu trägt auch die beschleunigte und ubiquitäre Kommunikation bei, die es erst ermöglicht, viele Menschen gleichzeitig mit den gleichen Botschaften zu versorgen und ihnen fortwährend einen Spiegel vorzuhalten. Mehr noch, wir selber sind durch unsere Aktivitäten in öffentlichen und sozialen Netzwerken permanent dabei, uns in der Masse zu positionieren.  Am besten so, dass wir dabei Anerkennung, wenn nicht sogar Zuneigung finden. Und welches Mittel wäre dazu besser geeignet, als sich vor allem so zu geben und so zu verhalten, dass möglichst viele das mit positiven Rückmeldungen, Likes à la Facebook  oder Retweets à la Twitter quittieren. Orientierung an der Mehrheit eben. Gleichzeitig macht uns alles Fremde, alles was anders ist und abweicht, Angst.                                                  

In diesen Zusammenhang passt es dann auch, dass sich selbst in einem so reichen Land wie Deutschland in den letzten Jahren erneut eine gehörige Portion Antisemitismus und Ausländerfeindlichkeit eingestellt hat, auch und gerade in der sogenannten Mitte.  Es ist eine erstaunliche Entdeckung, dass materieller Reichtum nicht zu Großzügigkeit, sondern im Gegenteil zu Konservativismus und Abschottung führt5.  Wenn man viel hat, dann hat man auch viel zu verlieren. Die Devise ist dann: Sich ducken und nichts ändern. Und alle, die sich, aufgrund welchen Merkmals auch immer, anders geben und verhalten oder einfach anders aussehen oder einer anderen Religion angehören, erzeugen dann Angst, stellen eine Bedrohung für diesen status quo dar. Noch schlimmer,  sie neiden uns unseren Reichtum. Das Wort „Wirtschaftsflüchtlinge“ ist geboren.

Das Phänomen des aus Angst Angepassten ist übrigens nicht neu. Der Soziologe David Reisman hat diesen Typus Mensch in seinem bereits 1950 erschienen Klassiker „The Lonely Crowd“6 als „other-directed“ beschrieben. Es ist ein Typ, der sich an den anderen orientiert, der sich nach dem ausrichtet, was ihm die Massenmedien, die Werbung als gerade populär verkaufen. Nicht er selbst trifft die Entscheidungen, sondern er macht das, was ihm vorgegeben wird. Im Grunde genommen ist seine Triebfeder die Angst, die Angst nicht geliebt und ausgeschlossen zu werden, weil er womöglich anders ist.                                

Das hat nicht nur unbedingt Nachteile, so ist der außengesteuerte Typ sicher freundlich und umgänglich, zumindest in Bezug auf Seinesgleichen, und Reisman erkannte, dass große Unternehmen genau diesen Typus auch als Mitarbeiter schätzen. Aber, kann das allen Ernstes unser Ziel sein? Als freundliche, gut arbeitende Person angesehen zu werden, die sich ohne Probleme integrieren kann? Oder ist das nicht vielmehr die Kontradiktion zu dem, was wir als Menschen von uns selbst im Prozess der Persönlichkeitsentwicklung schon immer erwartet haben. Weiter zu schauen, über das Naheliegende hinweg zu gehen,  sich zu emanzipieren, um Neues zu entdecken?                                                                    

Ist es nicht so, dass erst im Widerstand die Möglichkeit einer Erfahrung liegt?  Der Widerstand macht einen Unterschied und ohne Unterschied ist alles gleich, also Nichts. So wie sich ein ursprünglich homogener Stein erst durch Schläge von Hammer und Meißel in immer verwinkeltere Details ausdifferenziert und zu einer bedeutungsvollen Skulptur wird,  so ist es doch bei uns Menschen ebenso: Wir wachsen nicht dadurch, dass wir aufwandslos konsumieren und uns widerstandslos den Vorgaben unserer Eltern und der anderen Sozialisationsagenten ergeben, sondern dann, wenn wir diese Vorgaben als Sprungbretter verwenden, um ganz neue Erfahrungen zu machen, Altes und Bekanntes hinter uns zu lassen und Unterschiede zu erleben. Im Widerstand liegt die Keimzelle der Differenzierung.

Nur die Fähigkeit und die Lust, genau das zu erleben, ist der Motor für gesellschaftliche Veränderungen, mit denen wir dafür Sorge tragen müssen, dass wir auch morgen noch Bedürfnissen und Erfordernissen gerecht werden können, von denen wir heute noch gar nicht wissen, welcher Art sie sein werden. Kurz, unsere ganze Zukunftsfähigkeit hängt davon ab, ob und wie es uns gelingen mag, auf den Weg des geringsten Widerstands zu verzichten. Das zu erkennen, halte ich für das wichtigste und lebenslange Bildungsziel für  all diejenigen, die die Gestaltung ihres eigenen Lebens nicht in die Hände anderer geben wollen.                                           Und wer will das schon?

 

 [i]           Eine Übersicht findet sich hier: http://uhren-und-schmuck.blogspot.de/2011/01/welche-uhrenmarken-gehoren-zu-welchem.html

[i]           Vgl. dazu http://www.netzpiloten.de/the-illusion-of-choice-die-illusion-der-markenvielfalt/

[i]           Hüther (2009)

[i]           Siehe dazu auch Bak (2010)

[i]           Powdthavee & Oswald (2014)

[i]           Riesman (1950)                      

 

Literatur

Bak, P. M. (2010). Erst der Markt, dann die Bildung? Management und Qualität, 6.

Hüther, M. (2009). Bildung zur Provokation. In: Schlüter, A. & Strohschneider, P. (Hrsg.), Bildung? Bildung! 26 Thesen zur Bildung als Herausforderung im 21. Jahrhundert, S. 34-43, Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn.

Powdthavee, N. & Oswald, A. J. (2014).Does Money Make People Right-Wing and Inegalitarian? A Longitudinal Study of Lottery Winners, Diskussion Paper Series, N. 7934, Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit, Bonn.

 

Riesman, D. (1950). The Lonely Crowd: A Study of the Changing American Character. Yale University Press.

Zum Autor

Diplom-Psychologe Dr. Peter Michael Bak, Jahrgang 1967, ist Professor an der Hochschule Fresenius in Köln und Dozent an der Donauuniversität in Krems (Österreich) sowie am Institute of Executive Capabilities der Steinbeis University in Berlin.  Zahlreiche Publikationen, darunter die Lehrbücher „Werbe- und Konsumentenpsychologie“ sowie „Wirtschafts- und Unternehmensethik“.                                                                              

Er lebt mit seiner Frau und seinen zwei Kindern in Saarbrücken.